Als ich das erste Mal die Unbekannten kennenlernte – Ich und die Flüchtlinge Teil 1

Ein Samstag im Juli, eigentlich wie jeder andere. Am Freitag Abend bin ich bei einer Freundin zur Geburtstagsfeier eingeladen und weiß jetzt schon, dass wird wohl wieder lang werden. Aber was diesmal anders ist – ich muss am nächsten Tag um sechs in der Früh aufstehen! Katastrophe, vor allem nach einer langen Geburtstags-Grillfest-Würstl-Bier-Feier in Jabing!

Warum das, fragst du dich jetzt sicher bloß? Was bewegt eine 30jährige in Feierlaune dazu, die wochentags immer gegen halb sechs aufstehen muss und nur am Wochenende mal länger als fünf Stunden schlafen kann, zu einer solchen Entscheidung!

Tja, wir leben ja in spannenden Zeiten und nur wegschauen, dafür bin ich zu feige, denke ich mir mal. Also – Samstag Früh, Treffpunkt mit zwei Freunden in Heiligenbrunn – vor dem Erstaufnahmezentrum in Heiligenkreuz – weil – wir haben beschlossen ein wenig zu helfen. (Zu diesem Zeitpunkt, so denke ich mir im Nachhinein, war es weniger das „Helfen“, dass uns Samstag früh aus den Betten riss, sondern die Neugierde – was ist da bloß los in Heiligenkreuz).

Zwei Tage vor diesem besonderen Samstag, hatten wir uns auf der Seite des Roten Kreuzes in eine Doodle-Umfrage als Freiwillige ohne besondere Kenntnisse (!!) eingetragen. (Warum wir uns auf den Dienstbeginn um 7 Uhr früh gemeldet hatten, dass weiß nur der Teufel)

Nun sind wir also da! Ich muss zugeben, ich habe den gestrigen Abend zumindest optisch besser überstanden als meine zwei Mitstreiter. Ihnen steht ganz groß ins Gesicht geschrieben – sprich mich nicht an – gib mir Kaffee!! Ich gehe natürlich, nicht nur wegen unserer geistig und körperlich geschwächten Verfassung davon aus, da wir ja richtige Neustarter in diesem Metier sind, dass wir heute die Rot-Kreuz-Mitarbeitern assistieren werden.

In meiner Vorstellung waschen wir Geschirr ab, kehren den Boden und sortieren gespendete Wäsche. So stehen wir nun vor diesem Erstaufnahmezentrum (welch grässliches Wort, wie Notfallambulanz): meine zwei Begleiter, noch nicht ganz wach – und ich, in einer schwarzen langen Hose und einem türkisen Pullover – bis obenhin geschlossen – man bedenke, es ist Juli und mir ist es furchtbar heiß.

Warum, frage ich mich, noch ein wenig langsam grübelnd, trage ich nur so viel Kleidung im Hochsommer? Bis es mir wieder einfällt warum – als ich meiner lieben Oma von unserem – wir gehen jetzt mal den flüchtenden Menschen helfen  flehte sie mich an, mich „keusch“ anzuziehen, man sähe ja im Fernsehen, dass das lauter junge Männer ohne Respekt vor Frauen sind – natürlich hoffte/wusste/fühlte/ahnte ich, dass es wohl nicht so sein würde – aber wie man weiß – seiner Oma widerspricht man auf keinen Fall…..

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