Vorurteile???

In meinem ersten Blogbeitrag, möchte ich mir einige Vorurteile gegen Flüchtlinge ansehen, denen man tagtäglich begegnet. Entsprechen sie der Wahrheit oder kann man sie ganz einfach widerlegen?

Die ganzen Flüchtlinge sind alle bei uns. Die sollen doch in den islamischen Staaten bleiben. Solche Feiglinge … lassen Kinder und Frauen zurück und flüchten nach Österreich!!!

Derzeit gibt es weltweit so viele Flüchtlinge wie während des Zweiten Weltkrieges. Schätzungen sprechen von 50 Millionen Menschen. Der überwiegende Teil (ca. 33 Millionen) dieser Flüchtlinge flieht zwar aus seiner Heimatregion, bleibt aber im eigenen Land – sie sind sogenannte Binnenflüchtlinge.

Die restlichen Flüchtlinge bleiben meist in der Nähe ihrer Heimatländer. Die Länder, die die meisten Flüchtlinge aufnehmen sind demnach auch die Türkei ( 1,59 Mio Flüchtlinge bei 77 Mio EinwohnerInnen), Pakistan (1,51 Mio Flüchtlinge bei 182 Mio EinwohnerInnen) und der Libanon (1,15 Mio Flüchtlinge bei 4 Mio EinwohnerInnen).

Nur 2 von 100 Flüchtlingen begeben sich auf die gefährliche Reise nach Europa. 2014 suchten 625.000 Menschen um Asyl in Europa an, 2015 werden es sicherlich mehr sein. Der EU Durchschnitt liegt bei 1,2 AsylwerberInnen auf 100 EuropäerInnen, in Österreich liegt er derzeit bei 3,3.

Da kommt einer und dann kommt gleich die ganze Sippe! Wenn wir einen dalassen haben wir alle da!

Nachgeholt werden kann immer nur die Kernfamilie. Dazu zählen Ehepartner (wenn die Ehe bereits vor der Flucht geschlossen wurde) und minderjährige unverheiratete Kinder bzw. bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen die Eltern.

Anerkannte Flüchtlinge können sofort nach Erhalt des positiven Bescheids einen Antrag auf Familienzusammenführung bei einer österreichischen Botschaft stellen.

Subsidiär Schutzberechtigte müssen bis zur ersten Verlängerung ihrer Aufenthaltsberechtigung, also in der Regel ein Jahr, warten.

Die kriegen unser ganzes Geld!!! Für uns bleibt nichts mehr!!!

Asylwerber können Grundversorgung beziehen.

Bei Privatwohnenden setzt sich diese aus Verpflegungsgeld und Mietzuschuss zusammen. Das Verpflegungsgeld für einen Erwachsenen beträgt 200 Euro monatlich, für Kinder 90 Euro monatlich. Der Mietzuschuss (bei Vorliegen eines entsprechenden Miet- oder Nutzungsvertrages) beträgt für eine Einzelperson 120 Euro, für eine Familie 240 Euro.

Asylwerber, die in einer organisierten Unterkunft wohnen, bekommen monatlich 40 Euro Taschengeld. Sofern die Verpflegung nicht zur Verfügung gestellt wird, bekommen sie außerdem täglich 5,50 Euro Verpflegungsgeld.

Die meisten sind sowieso nur Wirtschaftsflüchtlinge

Niemand setzt sich leichtfertig nachts in ein marodes Boot, wissend, dass der Tod droht. Niemand setzt alles aufs Spiel, lässt alles los – die Heimat, Besitz, Familienangehörige, vielleicht sogar Kinder – und das alles nur in der Hoffnung auf den Bezug von Sozialleistungen. Wer Asyl sucht, kämpft oft ums Überleben. Weil im Herkunftsland Krieg herrscht, Verfolgung droht, Diskriminierung an der Tagesordnung oder die eigene Existenz permanent in Gefahr ist.

Im Jahr 2015 kamen ein Viertel aller  Asylsuchenden in Deutschland und Österreich aus dem syrischen Bürgerkrieg . Ein weiterer großer Teil floh aus Eritrea, wo eine brutale Militärdiktatur herrscht, die Regimekritiker auf unbestimmte Zeit in geheimen Gefängnissen verschwinden lässt. Krieg, kriegsähnliche Zustände und brutale Gewalt trieben 2015 auch tausende Menschen aus Afghanistan (9.000 Asylanträge ), Somalia (5.500) und Irak (5.300) in die Flucht.

Wir sollten uns lieber um unsere Armen und Obdachlosen in Österreich kümmern!!

Sind Flüchtlinge arbeitslos, klagen viele über die Sozialhilfekosten, die man ja irgendwie mitbezahlt. Sind sie es nicht, fürchten sie die Konkurrenz um Arbeitsplätze. Dabei ist die Angst, dass Flüchtlinge der Wohnbevölkerung die Arbeitsplätze wegnehmen, unbegründet: Forscher, die den Zusammenhang von Zuwanderung und lokaler Arbeitslosigkeit untersucht haben, fanden keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkterfolg von Einheimischen.

Auch die Rechnung, dass die Versorgung von Flüchtlingen Arme noch ärmer mache, geht auf: Kämen tatsächlich weniger Flüchtlinge, bekäme ein arbeitsloser Österreicher nicht einen Cent mehr, geringe Löhne würden deshalb nicht steigen, und Mittelständler hätten nicht weniger Angst vor dem sozialen Absturz. Hinter diesen Sorgen steht nämlich ein anderes Problem: die wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich.

Geld ist genug da – würde es zum Nutzen aller Menschen in Europa gerechter verteilt, könnten alle angstfrei und menschenwürdig leben. Über wachsende Ungleichheit kann man sich zu Recht zu beschweren – Flüchtlinge allerdings beeinflussen diese Zustände am allerwenigsten.

Das sind doch alles sowieso nur Männer!

Mittlerweile sind 54 %, also die Mehrheit, der ankommenden Flüchtlinge Frauen und Kinder. Viele Männer flüchten, um nicht zwangsrekrutiert zu werden als Milizionäre für den IS, für Assads Armee oder als Kindersoldaten für Boko Haram. Außerdem ist die Flucht gefährlich und strapaziös, für Frauen und Kinder besteht zusätzlich noch die Gefahr, Opfer sexueller Gewalt zu werden. Aufgrund des EU-Abschottungsregimes sind Schlepperpreise extrem hoch – oft kann sich eine Familie nur leisten, ein einziges Mitglied außer Landes zu bringen. Da viele Frauen mit ihren Kindern reisen würden, wäre das gefährlicher und der Preis drei bis viermal so hoch. Die Hoffnung ist, dass der Mann als Flüchtling anerkannt wird und dann seine Kernfamilie nachholen kann. Dass nun soviele Frauen mit Kindern unterwegs sind zeigt, wie verzweifelt die Lage ist, dass sich Frauen und Kinder trotz der erwähnten Risiken auf den Weg machen

Die haben alle ein besseres Handy als ich!

Diese Menschen haben vor der Flucht ein ganz normales Leben geführt, sie haben gearbeitet, sind zur Schule gegangen, haben studiert und haben – so wie wir – ein Handy gekauft. Auf der Flucht ist das Handy oft die einzige Verbindung zu den zurückgelassenen Menschen daheim. Fotos sind darauf gespeichert und die Verbindung zur Außenwelt zum Überleben enorm wichtig. Außerdem besitzen viele der Smartphones die Möglichkeit zu navigieren -zb über Google Maps – um den Standort und die Route festzulegen.

Wenn ich zb auf Urlaub fahre, ist das Handy und das zugehörige Ladekabel das erste, dass ich mitnehmen. Wenn ich mir dann vorstelle aus meiner Heimat zu flüchten – stellt sich diese Frage gar nicht!!! Natürlich packe ich als allererstes mein Handy ein.

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